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Mittwoch, 10. Februar 2016

MMM 05/2016

Beim heutigen MMM zeige ich meine neuen working horses (Danke für die Metapher, liebe Alex ). Ich habe in letzter Zeit vermehrt festgestellt, dass genau solche, eher unspektakulären und fast schon langweilig anmutenden Basic-Kleidungsstücke meinen Arbeitsalltag doch sehr erleichtern. Dies sind Kleidungsstücke, die ich ohne großes Nachdenken morgens aus dem Schrank ziehen und vielfältig kombinieren kann. Rock und Bluse zusammen mit schwarzem Blazer, grauer Strickjacke oder Lederjacke. Oder jeweils einzeln mit verschiedenen Unter-/Oberteilen. Und selbst bei akutem Zeitmangel durch Verschlafen bin ich damit innerhalb von 5 Minuten angezogen – und das für (fast) alle Gelegenheiten. In unserem Großkonzern z.B. gibt es für verschiedene Arbeitssituationen (Veranstaltungen, Workshops, Freitage) verschiedene Kleidungsempfehlungen – sprich Dresscodes: business, business casual, smart casual, casual. Tja, man sieht, wir arbeiten in einem internationalen Konzern, der sich sehr um seine Mitarbeiter bemüht und auch bei der Kleidung gerne mal eine Hilfestellung gibt ;-) Wie auch immer, die working horses passen immer und machen alles mit.

Fotoshooting heute wieder von Frau Machenstattkaufen - vielen Dank!!









Die Bluse ist nach dem Schnitt York aus einem tollen Stoff vom Tauschtisch in Bielefeld genäht. Er fällt sehr schön, fühlt sich super an und ist der stoffgewordene Nähalptraum. Der Stoff führt quasi ein Eigenleben und wehrt sich vehement gegen jeglichen äußeren Eingriff - Stecknadeln und Markierungen inklusive. Von daher war dieser simple Schnitt das äußerste, was ihm zu entlocken war. Gegenüber meiner ersten York-Version, die leider unmittelbar nach Fertigstellung Opfer einer heimtückischen Bügeleisen-Attacke wurde, habe ich hier nochmal etwas angepasst: kleinere Größe zugeschnitten, Abnäher 2 cm nach oben verlegt und den Ausschnitt nach oben und zu den Schultern hin verkleinert. Beim nächsten Mal werde ich den Ausschnitt noch weiter verkleinern, damit das Gezuppel aufhört und die Verschlusslösung (hinten) auch einen Sinn macht.

Der Rock ist aus einem Reststück eines eher dünnen Steppjerseys von Alfatex und basiert auf einem Rockschnitt aus einer alten Burda aus 2003. Der Schnitt ist super easy, vorne und hinten je zwei Abnäher, gerader Schnitt, hinten einen Reißverschluss und natürlich einen Bund. Angepasst auf Jersey bedeutet das: Vorder- und Rückteil im Stoffbruch zuschneiden, seitlich enger und nach unten eingestellt nähen, Jerseybund und gesäumt mit der Zwillingsnadel – fertig in einer Stunde.

Fazit: Ich brauche mehr solcher „Arbeitstiere“ und weniger spektakuläre Solisten in meinem Kleiderschrank. Damit oute ich mich auch gleichzeitig als heimlicher Brot- und Butter-Näher und träume weiter von der capsule wardrobe…

Inspirationen gibt es wieder jede Menge beim MeMadeMittwoch, heute vorgestellt von Katharina in einem wunderschönen Mantel mit Kapuze.

Mittwoch, 3. Februar 2016

MMM 04/2016 - Esme und ich...

haben ein eher schwieriges und kompliziertes Verhältnis. Mehrmals schon standen wir kurz vor dem Scheitern unserer Beziehung und mussten so einige Neustarts hinlegen. Erst nach gravierenden Veränderungen und dem Hinzuziehen einer neutralen „Person“ haben wir uns letztlich arrangiert.
 



Wie schon angedeutet, ist mein Verhältnis zu Esme sehr gespalten. Mo.ni.kate, Kreuzberger Nähte , Dodo und Karin haben zum Beispiel tolle Exemplare gezeigt. Natürlich hat mein Lemming sich gemeldet und ruck-zuck war der Schnitt gekauft, gedruckt, geklebt und die erste Esme schnell fertig. Beim Blick in den Spiegel dann die Ernüchterung: ein unförmiger Stricksack, der mir die Proportionen eines gut gepolsterten Eishockey-Spielers verlieh und lediglich auf dem Sofa seinen Einsatz finden kann. Ok, nochmal neu eine Nummer kleiner. Tja, immer noch unförmig um die Schultern, beulende Taschen, ungünstige Proportionen. Schließlich habe ich noch einen letzten Versuch mit aufgesetzten Taschen aus einem Strickstoff von Marc Aurel gewagt. Die Schwierigkeiten bei diesem Modell kann ich jetzt nicht wirklich Esme anlasten, zum einen hat der Stoff  durch den hohen Baumwollanteil einen schweren Fall und verzieht sich am Saum und zum anderen war die Stoffmenge nicht ausreichend. Zum Beispiel für die Armaufschläge, den Schalkragen und die Mantellänge. Wobei sich dies eher als Vorteil erwiesen hat, denn so gekürzt gefällt mir Esme an mir besser. Der nicht vorhandene Schalkragen ist allerdings blöd, hier konnte ich nur noch die neutrale Person in Form eines fake fur-Kragens ins Spiel bringen. Trotzdem ist die seitliche Kante natürlich suboptimal. Und für mein fehlendes Augenmaß beim Platzieren der Taschen (ich sage nur Affenarme) kann Esme auch nichts, dafür haben der Nahttrenner und ich unsere bestehende Beziehung intensiviert 

Fazit: Esme an anderen finde ich toll. Für mich selbst fremdele ich nach wie vor mit dem Gesamteindruck, vor allem die Schulterpartie und die Rückansicht ist "interessant". Aber in der kürzeren Version mit den aufgesetzten Taschen finde ich, dass er in der Öffentlichkeit tragbar ist. Auch als Kombipartner ist meine Esme kompliziert. Ich habe mich heute erstmal für mein Basic-Fledermauskleid und Stiefel entschieden. Bei einer Hosen- oder Rockkombi wüsste ich jetzt so spontan nicht, welches Oberteil mir von den Proportionen dazu gefallen könnte – aber das probiere ich noch aus.

Beim heutigen MeMadeMittwoch zeigen wieder viele tolle Frauen (und Männer?) ihre selbst genähte Kleidung. Präsentiert wird heute von Karin in einer sehr glücklichen Bekleidungs-Beziehung!